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So
17.04.

Das Ei – ein Osterkrimi

Hallo Ihr Lieben!

Bevor der Osterkrimi startet, möchte ich noch ein paar wenige Worte zur Entstehung loswerden: Das Ei ist ein Wettbewerbsbeitrag in der Schreibwerkstatt, in der ich nun fleißig mein Können übe und mich mit anderen Schreiberlingen austauschen kann.

Die Vorgaben waren, das Thema Ostern aufzugreifen und daraus eine spannende Krimi-Kurzgeschichte mit nicht mehr als 1000 Worten zu kreieren. Ich hoffe, das ist mir gelungen und wünsche Euch nun viel Spaß beim Lesen!

Das EI

Neugierig klaubte sie das bunte Ei aus dem Blumenbeet neben der Terrasse. Als sie es drehte, erstarrte sie vor Schreck. Ein schwarzes Kreuz war darauf gepinselt. Sie wusste sofort, was es bedeutete: Er hatte sie gefunden.

Ihre Augen wanderten hektisch über die hohen Sträucher, die den kleinen Garten und die Terrasse umrahmten. Hatte sie einen Schatten hinter dem Fliederbusch gesehen? In ihr stieg die Angst empor.
Mit zitternden Fingern ließ sie das Ei in ihre rechte Manteltasche gleiten und zog mit schnellem Griff ihr Handy aus der Linken.
Als sie den Notruf wählte, ließ sie ihre Umgebung nicht aus den Augen.
„Notrufzentrale, was…“
„Helfen Sie mir“,flüsterte sie, „er will mich umbringen! Wallstraße 5… Kommen Sie schnell!“ Dann schaltete sie das Telefon ab.
Ein schwarz gekleideter Mann trat hinter dem Flieder auf die Rasenfläche. Sie hatte sich nicht getäuscht.
Den erstickten Schrei konnte sie gerade noch unterdrücken. Ihr Herz raste, sie stolperte rückwärts über einen Gartenstuhl, ruderte kurz mit den Armen und konnte einen Sturz gerade noch auffangen, als er langsam auf sie zuschritt.
Endlich hatte sie das Haus erreicht und hastete über die Schwelle. Die Schiebetür war mal wieder störrisch. Sie verfluchte sich selbst, das nicht schon längst behoben zu haben. Ein paar Tropfen Schmieröl hätten gereicht. Sie zog und zerrte verzweifelt an dem langen Türgriff. Schwerfällig setzte sich die rettende Glaswand in ihrer Laufschiene in Bewegung. Ihre vor Schreck geweiteten Augen sahen ihn die Terrasse betreten. Mit stoischer Ruhe umrundete er die Sitzgruppe und pirschte sich wie ein Tiger an seine Beute, ein langes Messer in der rechten Hand.
Nur noch zwei Zentimeter. Das Adrenalin schoss durch ihren Körper. Ihr Puls raste. Sie hatte Todesangst. Jetzt stand er neben ihr und steckte die behandschuhten Finger seiner linken Hand in den noch offenen Spalt.
Sie glaubte, ihr Herz würde in jedem Moment still stehen. Doch noch gab sie nicht auf. Mit aller letzter Kraft stemmte sie sich gegen den Griff. Gleich würde er die Tür wieder aufdrücken und dann –
„Nehmen Sie die Hände hoch! Sie sind umstellt!“ ein Polizeibeamter näherte sich mit erhobener Waffe der Terrassentür.
Für einen kurzen Augenblick blieb ihre Welt stehen. Das Glas zwischen ihnen existierte nicht mehr. Sie sah ihm direkt in die Augen. Hass und Verachtung war alles, was sie darin entdecken konnte.
Dann drehte er sich um und ließ sie allein. Sie hörte das Klicken der Handschellen und glitt schwer atmend zu Boden.

Ein paar Tage später saß sie auf ihrer Terrasse in der warmen Frühlingssonne.
Mit Genugtuung pellte sie das bunte Ei. Für die Stellen mit der schwarzen Schale nahm sie sich besonders viel Zeit. Dann lag es nackt und unschuldig vor ihr. Sie legte es behutsam in den Eierschneider und sah andächtig zu, wie die silbernen Drähte es ganz langsam wie messerscharfe Klingen teilten. Das Brötchen, das sie schon mit Käse belegt hatte, roch verheißungsvoll nach einem unsterblich guten Frühstück, dass sie nie vergessen wollte. Eine Eierscheibe nach der anderen bettete sie auf den weichen Untergrund. Sie genoss das unbeschreibliche Glücksgefühl, das sich in ihrem Körper ausbreitete, als sie beherzt hineinbiss. Schließlich war Ostersonntag und es gab etwas besonderes zu Feiern. Ihren Neuanfang.
Sie wischte den blassen Mund mit der Serviette ab und lehnte sich in ihrem Korbsessel zurück. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Der dunkle Schatten, der sich so viele Jahre über ihr Leben spannte, war verschwunden.
Tief sog sie die erfrischende Frühlingsluft ein.
Das war ihr letzter Atemzug.
Und um sie herum wurde es tintenschwarz.

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