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Stephanie Marzian
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Fr
03.09.

10 Hm… grummelte der Lockenberg

Gitta war traurig.

Gitta war immer so fröhlich.

Aber heute war sie traurig.

Sie saß am Küchentisch und vergrub ihr Gesicht in ihren Armen.

Eigentlich sah man von weitem nur einen riesigen Berg Locken vom Tisch empor ragen.

Tom wusste weder warum Gitta so traurig war, noch wie er sie wieder aufheitern konnte.

„Gitta-Maus, was ist bloß mit Dir los?“

Er wuschelte Gitta liebevoll durch die Locken und setzte sich neben sie an den Küchentisch.

„Hm…“ grummelte der Lockenberg.

„Gib mir doch wenigstens einen Tipp“, bat Tom.

„Hmm…“ grummelte der Lockenberg erneut.

Tom lehnte sich auf seinem Küchenstuhl zurück und überlegte.

„Hm… es ist Samstag, Du musst heute nicht zur Arbeit. Daran kann es also nicht liegen.“

Tom schielte auf den Lockenberg.

Keine Regung.

„Liegt es am Wetter? Es ist ja schon so kalt draußen, fast winterlich. Möchtest du einen Kakao, damit es dir warm wird? Oder einen Tee?“

Stürmisches Lockengeschüttel.

Das war es wohl auch nicht.

Tom holte tief Luft.

„Deine Mutter kommt heute Nachmittag vorbei und bringt ihren neuen Freund mit. Für diesen denkwürdigen Anlass haben wir weder Kaffee noch Kuchen im Haus, und du weißt nicht, was du anziehen und wo du deinen peinlichen Freund verstecken sollst?“

Der Lockenberg grunzte verächtlich, grummelte und wackelte bedenklich hin und her.

Tom fuhr sich nachdenklich mit der Hand durchs Haar, stülpte die Unterlippe vor und legte die Stirn in Falten.

„Der Postbote hatte heute keine Post für uns.“

„Hm…“ grummelte der Lockenberg.

Tom war der Verzweiflung nah.

„Deine Lieblingsacrylfarbe, dieses Karminrot von „Laskauks“ ist alle?“

„Hmmhmm….“, grummelte der Lockenberg energisch und wackelte.

Plötzlich erstarrte Tom wie vom Blitz getroffen.

„Gitta-Maus?“

Tom stupste Gitta zaghaft mit einem Finger an der Schulter an.

„Hm…?“ grummelte der Lockenberg.

„Habe ich etwa unseren Jahrestag vergessen?“

Tom hauchte die Worte kaum hörbar.

„Hm…“ grummelte der Lockenkopf und schüttelte sich.

Tom atmete erleichtert aus.

Er stand auf.

„Ahh!“

Tom schnappte nach Luft und stolperte ein paar Schritte zurück.

Gitta blitzte ihn aus smaragd-grünen Augen an.

Ihre Locken hatten sich in kleine grüngelb-gemusterte Schlangen verwandelt, die sich zischelnd von ihrem Kopf in Toms Richtung schlängelten.

Plötzlich schrieen Gitta und die Schlangen gleichzeitig:

„Du hast mir heute keinen Guten-Morgen-Kuss gegeben!“

Tom fuhr schweißgebadet aus dem Schlaf.

Er saß kerzengerade in seinem Bett.

Die grauenvoll verzerrte Maske seiner Freundin noch vor Augen und ein lautes Zischen im Ohr.

Vorsichtig drehte er seinen Kopf zur Seite.

Auf dem Kopfkissen neben ihm türmte sich ein riesiger Lockenberg empor.

Mit klopfendem Herzen stupste er Gitta an.

„Hm…“ grummelte der Lockenberg, und Tom zuckte unwillkürlich zusammen.

Der Lockenberg begann zu schwanken, zu wachsen und plötzlich blickte Gitta Tom aus kleinen verschlafenen Augen an.

Tom grinste verlegen und gab Gitta schnell einen Guten-Morgen-Kuss.

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